RG MeißenAktuelles

Ein Greenhorn unter Naturschützern

Herr Duden definiert „Natur“ folgendermaßen: „Alles, was an organischen und anorganischen Erscheinungen ohne Zutun des Menschen existiert und sich entwickelt.“. Und „Schutz“: „etwas, was eine Gefährdung abhält.“.

Anliegen des Naturschutzes ist es unter anderem, zu sensibilisieren, mit Informationen Blickwinkel und Sichtweisen zu verändern, sowie ein entsprechendes Engagement zu befördern.
Wie aber hole ich Mitmenschen dazu ab?
Das geschriebene Wort als Informationsquelle ist absolut notwendig und die Fülle der vom NABU kostenlos ausgegebenen Materialen ist auf sehr hohem Niveau in Inhalt und Gestaltung. Dennoch: nichts ist besser geeignet und erzeugt mehr Aufgeschlossenheit und Begeisterung, als das eigene Erleben der Natur mit allen Sinnen.
Diese Fähigkeit, ist bei doch recht vielen Erdenbürgern im Laufe des Erwachsenwerdens verkümmert. Ich zähl(t)e mich dazu.

Es war ein kleiner Zeitungsartikel im Mai 2017, welcher zu einer Abendwanderung durch den Heiligen Grund in Meißen nach Proschwitz einlud, organisiert von der Meißner Regionalgruppe des Naturschutzbundes Deutschland e. V.
Da ich gern „draußen“ unterwegs bin und für diesen Abend noch keine anderen Pläne hatte, erschien ich pünktlich am Treffpunkt Freie Werkschule.
Nach kurzer Begrüßung und mit historischem Kartenmaterial in der Hand, begaben sich 20 Interessierte bei herrlich sommerlicher Abendstimmung auf den Weg. Für mich, die sich durchaus als naturliebend bezeichnen würde, öffnete sich mit Nashornkäfer, Mönchsgrasmücke, Würfelnatter, Nachtigall, Elbebiber, Infos zur Ortsgeschichte und geologischen Besonderheiten eine neue, alte Wahrnehmungswelt: Nämlich die Fähigkeit, wieder bewusster zu erleben. Das sprudelnde Wissen und die Erzählfreude unserer beiden Naturführer Michael Braune und Hendrik Trapp machten einfach nur Spaß und bescherten mir eine schöne Aha-Erkenntnis. Ich wusste, da musst du dranbleiben, einmal ist keinmal, nutze doch die Chance auf Horizont- und Wissenserweiterung.
All dies bieten die Veranstaltungen der Regionalgruppe Meißen.

Als doch erschreckend Unwissende auf dem Gebiet der Botanik, bot sich mir und anderen Interessierten die Möglichkeit am 10. Juni 2017 mit zwei sehr sachverständigen Herren, das Gimmlitztal in der Nähe von Frauenstein/Hermsdorf zu erkunden. Die blühenden Bergwiesen präsentierten sich nicht nur für den allgemeinen Durchschnittsspaziergänger als Augenweide. Wir schauten aber genauer hin. Die Besonderheiten dieses Territoriums wurden auf dieser Exkursion für jeden Teilnehmer optisch und haptisch zum Erlebnis. Botaniker Friedemann Klenke und der Betreuer des Schutzgebietes Andreas Golde begeisterten mit ihrem umfangreichen Fachwissen und erläuterten dies auch für den Laien sehr verständlich. Die Wiesen sind in Gefahr und können nur durch die mühevolle Arbeit vieler ehrenamtlicher Helfer in ihrer Schönheit erhalten werden. Dank dieser Exkursion, sind nun wilde Orchideen und Wiesengewürze ganz anders in mein Bewusstsein gerückt.

Klimawandel – ein Thema an dem sich schon viele „abgearbeitet“ haben. Die medial reißerisch ausgeschlachtete Variante ist der Mehrheit der Bevölkerung vertraut und verschreckt uns eher. Eine Stimme der Wissenschaft hingegen, in Person von Herrn Prof. Dr. Jörg Matschullat von der TU Freiberg, war am 16. Juni 2017 mit einem sehr einprägsamen Vortrag zu hören. Es wurde kein apokalyptisches Horrorbild gezeichnet. Mit belegbaren Forschungsergebnissen, wissenschaftlichen Daten und Fakten, konnte die brisante Aktualität des Klimawandels und deren Auswirkungen verdeutlicht werden. Die Natur selbst ist mit ihren unbekannten Variablen auf das Klima im großen Maß einflussnehmend. Wie diese sich entwickeln werden ist auch für die Wissenschaft nicht eindeutig berechenbar und zu beantworten. Die vom Menschen handgemachten Umwelt- und Klimaprobleme hingegen schon. Nur das menschliche Tun und deren Einfluss auf die klimatischen Bedingungen sind tatsächlich veränderbar. Natürlich ist politisches und wirtschaftliches Umdenken absolut erforderlich und bedarf stetiger Rufe nach sinnbringendem Handeln. Dennoch: auch wenn es wie ein Tropfen auf den heißen Stein anmutet, Klima- und Umweltschutz beginnt mit alltäglichen Kleinigkeiten, zum Beispiel mit der Entscheidung, wie ich meine Sonntagsbrötchen besorge. Fahrend mit Auto, mit dem Fahrrad oder per Pedes.

Die NABU-Regionalgruppe Meißen veranstaltete mit ihrer Naturschutzstation Schloss Heynitz am 17. Juni 2017 zum Thema „Schmetterlinge - kennen, schützen, fördern“ einen Aktionstag im Rahmen des „Tages des offenen Gartens“. Abermals nutzte ich das Angebot der NABU-Gruppe. Die Gestaltung des Aktionstages war auch für Familien attraktiv. So gab es ein Wissensquiz und die Möglichkeit Schmetterlingsbeobachtungen durchzuführen sowie eindrucksvolle Fotos zu bestaunen.

Fotos von Meret aus dem Jahr 2017 - Foto: Diana Fritsch
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Fotos von Meret aus dem Jahr 2017 - Foto: Diana Fritsch

Die Begehung des Naturlehrpfades und eine kleine Bastelecke rundeten das Angebot ab. Eine filmische Dokumentation, die die Metamorphose einer Bläulingsart und die Zusammenhänge, welche territorial zum Aussterben geführt haben, darstellt, war sehr eindrucksvoll und verständlich. Dem Besucher wurde das Tagfalter-Monitoring, eine bundesweite, kontinuierliche Bestandsaufnahme, vorgestellt. Jeder der dabei mitmachen möchte, kann sich dazu unter www.tagfalter-monitoring.de weitere Informationen anschauen. Um Lebensräume von Tagfaltern zu schützen oder auch neu zu schaffen, sollte unbedingt, die Aktion „Puppenstuben gesucht“ Beachtung finden. So kann die eigene Wiese vorm Haus oder eine Offenfläche in der Nähe des Wohnortes das Überleben von heimischen Schmetterlingen sichern.

Auch hier kann jeder über www.puppenstubengesucht.de Näheres erfahren Mit leckerer Quiche und Obstkuchen vom Demeterhof Mahlitzsch konnte man seinen Gaumen verwöhnen.
Neben sehr anschaulichen Infotafeln gab es Gelegenheit mit echten Kennern ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel mit Andreas Hurtig, der u. a. Schülergruppen die Begeisterung für Naturbeobachtungen gewissermaßen „im Felde“ vermittelt.
Auch die Eigentümer des Schlosses, Elisabeth und Eike von Watzdorf, erlebten die Besucher als sehr engagierte Gastgeber, Förderer und Mitorganisatoren für eine sehr gelungene Veranstaltung.

Seien Sie doch auch neugierig und kommen Sie das nächste Mal einfach zu einer Veranstaltung und öffnen sich dem Thema Naturschutz von der erlebbaren Seite!
Sehen, hören, anfassen, ja auch schmecken ist möglich … – lassen sie sich inspirieren. Es bedarf keiner großen Vorkenntnisse, Wissensdurst und Begeisterungsfähigkeit reichen aus.

Collage zur Vorstellung der NABU-Regionalgruppe Meißen - Foto: Diana Fritsch
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Collage zur Vorstellung der NABU-Regionalgruppe Meißen - Foto: Diana Fritsch

Ich habe es bisher nicht bereut und egal, wo mich meine, ich nenn es mal „persönliche Fortbildung“ noch hinführt, möchte ich den Organisatoren und „Machern“ der Regionalgruppe ganz herzlich für ihr großes Engagement als ehrenamtliche Naturschützer danken.

Rosen - Foto: Diana Fritsch
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Rosen - Foto: Diana Fritsch

Hoffentlich bis bald, sagt …

Diana Fritsch


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